Wolle

Kelims aus anatolischer Schafswolle

Neben Ziegen- oder Kamelhaar ist die Schafwolle das am meisten verwandte Material der nomadischen Teppichherstellung. Dabei sind Region, Jahreszeit der Scherung, Alter der Schafe sowie die Partition, der die Wolle entnommen wird, ein Schlüssel für Qualitätsmerkmale. Besonders beim Florteppich machen sich Unterschiede bemerkbar. Nicht nur Glanz und ein weiches Anfühlen der Oberfläche sind von Bedeutung: Ein hoher Wollfett-Anteil verhindert Schmutzaufnahme, Abstumpfung der Farben und das Brechen der Fasern. So ist die Qualität der Wolle maßgeblich für die Langlebigkeit und Strapazierfähigkeit der Textilien.

Flachgewebe des Vakiflar-Museums Istanbul

Buchcover: Persian Flatweaves PERSIAN FLATWEAVES

 

GERMAN | ENGLISH
Schafswolle
Photo ©: ISTEK
Info
naechster Kelim

 

 

Weiterführendes

Handspinne und gekämmte Wolle

Qualtiätsmerkmal bei einem Nomaden-Kelim

In den neuen Fertigungen wird Wolle fast ausschließlich nur noch maschinenverarbeitet. Nur bei besonders hochwertigen Produkten wird noch per Hand gekämmt. Hierbei werden vor allem kurze Wollfasern aussortiert. Bei alten und ländlichen Fertigungen ist dieses Qualtiätsmerkmal noch anzufinden. Charakteristisch für Teppiche mit handgesponnener Wolle ist eine leichte Unebenheit der Struktur. Bei einem Kelim lässt sich dies deutlicher erfühlen als bei einem Knüpfteppich.


Handgesponnene Wolle

Das Prinzip mit der Spindel

Wolle für einen Kelim per Hand zu spinnen ist eine langwierige Aufgabe, die sowohl den Frauen als auch den Männern zukommt. Einmal das Spinnen begonnen wird es in jedem freien Augenblick weitergeführt: Hirten tun es während ihre Schafe weiden, junge Frauen, während sie auf die Kinder aufpassen. Zwischen Kochtöpfen und anderen alltäglichen Aufgaben gleicht das Spinnen wie auch das spätere Kelim-Weben schon fast einer meditativen Ausübung. Handspinnnen gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Am häufigsten sind jene die optisch einem Tropfen ähneln. Am schweren Ende können ein Stein, ein Holz- oder Metallkreuz befestigt sein, um die sich das fertige Garn windet. Am oberen Bereich ist ein Hilfsfaden befestigt, um den sich die zu verarbeitende Rohwolle für den Kelim langsam windet.

Damit sich nicht das ganz Material darin verheddert, wird der Ballen Wolle um den linken Arm gewickelt. Stückweise wird nun die Wolle eingezogen; ein Prozess der mit gleichzeitigem Rotieren der Spindel erfolgt. Es ist Übungsarbeit für die Kelim-Hersteller hier für Gleichmäßigkeit der Wollstärke zu sorgen. Die Drehrichtung wird im Fachjargon in Z oder S angegeben. Dazu kommt die Anzahl der wiederum miteinander versponnenen Garne, dessen Drehung in Umkehrrichtung erfolgt. Dadurch wird das Garn stabiler. Eine Bezeichnung sieht daher z.B. folgendermaßen aus: Z3S. Bei einem Kelim besteht die Wolle meinst aus mehreren Garnen, einmalig versponnene wird nur zu äußerst feinen Handarbeiten verwendet.

 

 

 

 
 

Kammwolle und Streichgarn

Zwei Verfahren: Kämmen und Kardieren

Nachdem die pure Schafwolle bereits nach mehreren Kriterien aussortiert und gewaschen wurde, wird sie für das Spinnen vorbereitet. In der Regel geschieht dies in zwei unterschiedlichen Verfahren, die für die Kelim-Herstellung von hoher Bedeutung ist. Hier sind beide Verfahren kurz erläutert: Beim Kardieren werden die Wollfasern durch ein Hin-und Herwürfeln zwischen zwei Eisenkämmen zu fluffigen Wollbällchen verarbeitet. Nach dem späteren Spinnen ist das Ergebnis eine leichte, lockere Wolle, die sich zum sehr gut zum Herstellen von z.B. Kleidung - weniger jedoch zum Weben von Kelim-Teppichen - eignet. Eine solche Wolle nennt sich "Streichgarn".

Beim Kämmen der Wolle wird ein Holzblock verwendet, auf dem kammartige Eisenstäbe eingelassen sind. Dieser wird von den Frauen oft im Schneidersitz im Schoß gehalten. Die rohe Wolle wird so lange über die Eisenstäbe gezogen, bis die Fasern sich in eine Richtung stellen. Bei diesem Prozess werden auch die kürzeren Fasern aussortiert. Wird die auf diese Weise verarbeitete Wolle später gesponnen, erhält man ein sehr festes und robustes Garn, die sich ideal zum Weben eignet. Das Verfahren ist aufwendiger, die Wolle jedoch standfester. Dadurch behält der Kelim seine Form. Auch lassen sich auf diese Weise Kelim-Motive deutlich schärfer darstellen. Bei dem obigen Verfahren sind die Fasern dagegen elastischer, die gleichen Symbole würden verschwommen erscheinen und der Kelim würde sich leicht verziehen können.


Weblinks

   
   

 

 

pfeil-rechts   Für mehr Info zum Thema: "Wolle" - bitte nach unten scrollen. Ansonsten geht es rechts weiter.
pfeil-rechts   Info: "Handspinne und gekämmte Wolle" - Qualtiätsmerkmal bei einem Nomaden-Kelim