Kelim-Webarten

Techniken der Kelim-Herstellung

Mit dem Wort "Kelim" einhergehend ist immer auch seine geografische und kulturelle Komponente. "Gelim" oder auch "Kilimi" sind ähnliche Begriffe für die Webtextilien, die aus dem Nahen Osten und Nordafrika stammen und auf die Arbeiten von Nomadenvölkern bis 2000 v. Chr. zurückgehen. Das Wort "Kelim" ist geblieben. Es bezeichnet einen Webteppich aus einer der genannten Regionen. Auch am Prinzip des Handwerks hat sich kaum etwas geändert: Bei der Kelim-Herstellung werden farbige Wollgarne um ein Faden-Skellett (Kette) gewoben. Für die Abbildung der Muster wurden jedoch verschiedene Techniken entwickelt, für die Namen wie Cicim, Soumak oder Zili stehen.

 

Info
Frau beim Kelim-Weben

Kelim - Antike orientalische Flachgewebe

Buchcover: Souvereign Carpets SOVEREIGN CARPETS:Unknown Masterpieces from European Collections

 

 

Weiterführendes

Webtechniken

Kett- und Schußfäden bei einem Kelim

Das Grundgerüst, um einen Kelim zu weben, ist immer gleich. Auch wenn es unterschiedliche Konstruktionen von Webstühlen gibt, so wird auf ihnen zuallererst die sogenannte Kette gespannt, auf der ein Kelim entsteht. Die Kette ist eine Aneinanderreihung von parallel verlaufenen Fäden, welche zwischen zwei Hölzern gespannt und später meist nur noch in Form von Teppich-Fransen zu sehen ist. An ihr entlang werden nun die Webfäden gewunden, jeweils einmal unterhalb und einmal oberhalb der Fäden.

Die Dichte ist bereits ein erstes Kriterium für die Klassifizierung von Webarten. Sind bei einem Kelim die Schussfäden in dem gleichen Abstand zueinander wie die einzelnen Kettfäden, spricht man im Englischen vom "plain weave", der einfachen Webart. Bei einer Betrachtung des Kelims durch die Lupe würde sich ein kariertes Muster ergeben.

Durchgesetzt hat sich aber die sogenannte "weft-face"- Technik. Hier sind die Webfäden zueinander sehr viel enger gelegen als die Kettfäden zueinander. Dadurch erlangt der Kelim zu einer festeren Grundsubstanz und isoliert deutlich besser im Schutz vor Wind und Staub. In seiner optischen Erscheinung sind bei dem Kelim nur noch die gewebten Fäden zu sehen. Das Durchschimmern der ungefärbten weißen oder braunen Kette wird damit verhindert.  

Streifen- und Muster-Kelim

Nach dieser ersten Grundunterscheidung kommt nun noch die Art und Weise hinzu, wie die Schussfäden durch die Kette gezogen werden. In einer simplen Grundtechnik geschieht dies von einem bis zum anderen Ende. Der sogenannte Streifen-Kelim ist ein gutes Beispiel hierfür. Hier wurde von Abschnitt zu Abschnitt lediglich mit unterschiedlichen Farben gewebt.

Bei einem Kelim mit Motiven wechseln die Farben jedoch innerhalb der gleichen Reihe. Der Faden kann also nicht bis zum Ende durchgeführt werden. Hier kommen nun verschiedenen Techniken zum Einsatz. In Anatolien hat sich die Schlitztechnik durchgesetzt. Dabei wird von jeder Seite bis zum Zusammentreffen der verschiedenfarbigen Garne gewebt und dann wieder zurück zu den jeweilig eigenen Kante nach rechts oder links.In der Mitte entsteht ein Schlitz, wie in Abbildung 1 zu sehen ist.

 

 

 

 
 

 

Beim Weben von z.B. Bordüren sind somit zahlreiche Muster entstanden, die der Verzahnung dienen. Denn ein durchgängiger Schlitz darf nur von bestimmter Länge sein, um den Kelim zusammen zu halten.

Warum also nicht einfach den Kettfaden in der Mitte von beiden Farben teilen lassen? Diese Technik nennt sich "dove-tailing". Oder es wird ein Faden um den anderen gewickelt, ähnlich einer Verankerung. ("interlocking technique"). Beide dieser Varianten haben sich nicht sonderlich durchgesetzt, da sie den Nachteil haben, dass die Übergänge der Farben weich verlaufen und die Optik der Motive verschwommen erscheint. Darüber hinaus verleihen die Kelim-Schlitze dem Gesamtbild einen dekorativen Reiz.

Eine dagegen in einigen Regionen sehr verbreitete Weise des Webens ist die Einfügung zusätzlicher Webelemente in eine vorhandene Webstruktur. Eine Möglichkeit ist in der Abbildung 2 zu sehen. Diese Technik wird z.B. bei einem Cicim-Kelim angewendet.

Ein Kennzeichen des anantolischen Kelims sind seine geometrischen Muster. In sehr wenigen Fällen findet man auch die Technik des "eccentric wefts", welche auf runde Formen zielt: Hier werden die Webfäden auf der Kette nach oben und unten geteilt, so dass in der Mitte Raum entsteht. Hier kann die weitere Farbe nun hinein gewebt werden. Spielarten der einen oder anderen Technik sind vielerorts vorhanden. Ein besonderes Merkmal ist jedoch die wenig entwickelte Technik mechanischer Anwendungen. Während diese eine deutliche Hilfe beim Durchziehen der Fäden in voller Kettenlänge sind, blieben bei den Kelim-Mustern die geschickte Hände gefragt



Weblinks

 
   
   

 

 

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